Erläuterungen zum Teichwanderweg
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Fischteiche –
ökologisch wertvolle Lebensräume
Feuchtgebiete zählen zu den produktivsten Ökosystemen, in keinem anderen Lebensraum findet man eine derartige Artenvielfalt und Individuendichte. Den Ottensteiner Fischteichen kommt daher eine überaus wichtige Funktion zu, auch wenn es sich hierbei um sogenannte „Lebensräume aus zweiter Hand“ (sie wurden also vom Menschen geschaffen) handelt. Sie stellen letzte Rückzugsgebiete für Arten dar, deren angestammte Lebensräume verschwunden oder im Verschwinden sind, oder sie beherbergen Arten, die ohne die Teiche innerhalb eines Gebietes nicht vorkommen würden, weil keine geeigneten Biotope vorhanden sind.

Die Ottensteiner Teichplatte ist besonders wegen ihres artenreichen Vogelbestandes aus der Vielzahl der Waldviertler Teiche hervorzuheben. An den Teichen und ihrer weiten Umgebung konnten bisher Brutnachweise für über 90 Vogelarten erbracht werden; für 30 weitere besteht Brutverdacht. Besonders im Herbst wird diese Vielfalt durch zahlreiche Durchzügler aus dem Norden Europas bereichert.



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Stock-, Tafel- und Reiherente, Bläßhuhn, Hauben- und Zwergtaucher, Höckerschwan und Graureiher können hier häufig beobachtet werden. Mit einigem Glück und bei entsprechender Ruhe sind auch Schwarzhalstaucher, Schnatter- und Krickente sowie das Teichhuhn anzutreffen. Darüber hinaus kommen auch zahlreiche Singvogelarten (Rohrsänger, Schwirle, Grasmücken, Pieper, Ammern, ...) vor. Als besondere Raritäten sind Uhu, Rohrweihe, Schwarzstorch, Schwarzmilan, Eisvogel, Wachtelkönig und Karmingimpel zu erwähnen.

Die Ursache für den Vogelreichtum (gleiches gilt aber auch für andere Tiergruppen) des gesamten Gebietes, ist in der engen Nachbarschaft und mehr oder weniger starken Durchdringung verschiedenster Kleinstlebensräume zu suchen. Gebiete unterschiedlichster Vegetationsstruktur (Röhrichte, Feuchtwiesen, bruchwaldartige Bereiche, vernässte Gräben, Hecken und Gebüschstreifen etc.) wechseln mit land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen ab. Ein großer Anteil an „Ödflächen“ sorgt für Lebensraum von Tier- und Pflanzenarten, die anderswo bereits am Rande des Aussterbens stehen.

Das Forstamt Ottenstein der Windhag-Stipendienstiftung für NÖ, das die Teiche und ihre Umgebung verwaltet, bemüht sich schon lange, diesen Zustand zu erhalten. Speziell das Teichgebiet wird praktisch als Naturschutzgebiet behandelt; Eingriffe beschränken sich auf das unbedingt notwendige Ausmaß.

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Die Bewirtschaftung
der Ottensteiner Teichplatte
Die Ottensteiner Teiche wurden bereits zu Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet.

Heute wird die Teichwirtschaft als Nebenbetrieb des Forstamtes Ottenstein geführt und umfasst 12 Teiche mit einer Gesamtfläche von rund 70 ha sowie mehrere entsprechend dimensionierte Hälteranlagen (zwischenzeitliche Aufbewahrung bis zum Verkauf). Die Hauptfischart ist der Karpfen, Nebenfischarten sind Hecht, Zander, Schleie und Maräne. Die Gesamtproduktion wird als Speisefisch (Fischhandel, Gastronomie, Detailverkauf, Filets), als Besatz für die eigenen Stauseen Ottenstein und Dobra, überwiegend jedoch als Besatzfische an Angelvereine vermarktet.

Die Wirtschaftsform ist halbextensiv, was ein sehr naturnahes Bewirtschaften der im Landschaftsschutzgebiet und Natura 2000-Gebietes liegenden Teichplatte ermöglicht. Bei dieser Bewirtschaftungsform wird die Zahl der Fische der vorhandenen Naturnahrung (Phyto- und Zooplankton) im Teich angepasst – nur in Ausnahmefällen darf mit Getreide zugefüttert werden.

Die Teichwirtschaft des Forstamtes Ottenstein wird von einem Fischereifacharbeiter geleitet.
Dessen Tätigkeitsfelder umfassen z.B. die Organisation der Besatzmaßnahmen; Zukauf von Fischbrut; Qualitäts- und Sauerstoffmessungen des Teichwassers; Erhebung der vorhandenen Naturnahrung und gegebenenfalls das Zufüttern; Erheben, Einteilen und teilweise die Durchführung von diversen Instandhaltungsarbeiten; Organisation und Überwachung der Abfischung; Kontaktaufnahme mit Kunden bezüglich Liefertermine; Kontrollen der Überwinterungsteiche, Detailverkauf und dessen Qualitätssicherung.

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Der teichwirtschaftliche Betrieb im Jahresablauf
Im ersten Zuchtjahr wächst die Fischbrut in kleineren Teichen (Aufzuchtteiche) zu einsömmrigen Karpfen mit einem durchschnittlichen Gewicht von 25 – 50 g heran. Im zweiten Zuchtjahr werden die im März bis April aus den Aufzuchtteichen abgefischten einjährigen Karpfen in eigens dafür vorgesehenen Streckteichen besetzt. Hier wachsen sie zu zweisömmrigen Karpfen mit einem Durchschnittsgewicht von 250 – 800 g heran.

Im Herbst (Okt./Nov.) werden diese Teiche wieder abgefischt, da sie sich meistens auf Grund ihrer geringen Tiefe (ca. 1 m) nicht für ein Überwintern der Fische eignen. Die Fische werden daher in eigenen Überwinterungsteichen mit größeren Tiefen und genügender Frischwasserzufuhr (Sauerstoff) überwintert.

Im Frühjahr des dritten Zuchtjahres werden die zweijährigen Karpfen aus den Überwinterungsteichen in große Abwachsteiche besetzt, welche eine mittlere Wassertiefe von ca. 1 – 2 m aufweisen. Die verkaufsfähigen dreisömmrigen Karpfen haben beim Abfischen im Herbst ein Gewicht von ca. 2 kg erreicht und werden je nach Gegebenheit und Nachfrage als Speise- oder Besatzfische verkauft.

Die in den Ottensteiner Teichen herangewachsenen Fische können nach Anfrage im Forstamt Ottenstein frisch gefangen, ausgenommen, geschuppt und auf Wunsch auch filetiert erworben werden.

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